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Ischias: Wenn der Nerv auf die Nerven geht 

 Oktober 30, 2020

Ischias ist ein Nervenschmerz, der durch Reizung und/oder Kompression des Ischias-Nervs verursacht wird. Wer schon Bekanntschaft mit dem „Nervus ischiadicus“ gemacht hat, tut alles, um eine Wiederholung möglichst zu vermeiden.

Neben schulmedizinischen Behandlungsmethoden gibt es auch einige etablierte naturheilkundliche Verfahren und alte Hausmittel, die bei einem akuten Ischias-Anfall helfen und rasch für Linderung sorgen können. 

Ist Ischias eine Erkrankung oder ein Symptom?

Der Ischias-Nerv ist der dickste und längste und damit der größte Nerv in unserem Körper. Er beginnt im unteren Rücken und spaltet sich, um auf beiden Seiten durch Hüften, Gesäß, Beine und Füße zu verlaufen.

Das Markenzeichen des Ischias-Nervs ist der Schmerz, der vom unteren Rücken in den Rücken oder in die Seiten der Beine ausstrahlt. Er kann von leichten bis zu scharfen, starken Schmerzen reichen. Sie können auch Taubheit, Kribbeln und Schwäche in Ihrem Bein oder Fuß bekommen.

Sehr charakteristisch ist auch, dass der Schmerz ausstrahlt. Man spricht dann von radikulären (aus der Nervenwurzel stammenden) Schmerzen. Das unterscheidet den Ischias zum Beispiel von einem Hexenschuss. Dieser kann ebenfalls durch unglückliches Drehen oder Heben auftreten und äußert sich in plötzlichem Rückenschmerz. Er zieht aber nicht ins Bein.

Ischias: Wenn der Nerv auf die Nerven geht

Sind vor allem die Fasern der fünften Nervenwurzel der Lendenwirbelsäule betroffen, verläuft der Schmerz vom Gesäß über den hinteren äußeren Oberschenkel über das äußere Knie zum vorderen äußeren Unterschenkel. Er kann sogar bis in den Knöchel weiterziehen.

  • Hinweis 

Ist der Ischias aufgrund eines Bandscheibenvorfalls eingeklemmt, verstärken sich die Schmerzen häufig durch Husten, Niesen oder Pressen (beim Stuhlgang) sowie Bewegung. Ist eine Entzündung Ursache der Ischialgie, nehmen die Schmerzen häufig nachts zu.

So gesehen ist Ischias ein Symptom, das eine Störung der Lendenwirbelsäule anzeigt, auch wenn sich Betroffene wegen der quälenden Schmerzen im Rücken und in den Beinen absolut krank fühlen.

Ursachen und Risikofaktoren

Häufige Ursachen für Ischias sind unter anderem

  • Lumbale Spinalkanalstenose: Verengung des Spinalkanals im unteren Rücken
  • Degenerative Bandscheibenerkrankung: Eine altersbedingte Erkrankung, die auftritt, wenn sich eine oder mehrere Bandscheiben zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule verschlechtern oder zusammenbrechen und zu Schmerzen führen
  • Wirbelkörperverletzungen
  • Spondylodiszitis oder Osteomyelitis: Entzündung einer Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper
  • Bandscheibenvorfall: Eine Verletzung des Polster- und Bindegewebes zwischen den Wirbeln, die gewöhnlich durch eine übermäßige Belastung oder ein Trauma der Wirbelsäule verursacht wird.
  • Gelenkrheuma
  • Infektionen, bspw. Borreliose
  • Schwangerschaft

Was kann gegen den Schmerz getan werden?

Bei Ischias muss nicht nur die Ursache bekämpft, sondern auch der quälende Schmerz so schnell wie möglich gelindert werden. Das ist nicht nur für die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten entscheidend, sondern auch wichtig, um die Entwicklung eines sogenannten Schmerzgedächtnisses zu verhindern.

1. Bettruhe?

Viele reagieren auf Ischias-Schmerzen zunächst einmal mit Ruhe, da jede Bewegung weh tut, ist die Schonung des Rückens auch ein natürlicher Reflex und anfangs auch berechtigt, um den Nerv nicht zusätzlich zu belasten.

Bettruhe kann bei akuten Schmerzen angeraten sein. Um künftigen Ischias-Beschwerden vorzubeugen, sollten sich Betroffene jedoch viel bewegen!

Denn zu viel Ruhe kann genau das Gegenteil bewirken und die Schmerzen noch verstärken. Deshalb ist Bewegung empfehlenswert, z.B. langsames Spazierengehen. Dies kann zwar zunächst schmerzen, hilft aber dabei, den Nerv schneller zu entkrampfen.

Es ist wichtig, hochwirksame Aktivitäten zu vermeiden, die den Schmerz auslösen. Leichte Übungen sind angesagt. Sind die Rückenschmerzen jedoch so stark, dass Sie sich nicht bewegen können, kann eine kurze Ruhezeit hilfreich sein, aber in der Regel nicht länger als ein bis zwei Tage.

2. Wärme als Soforthilfe

Der Ischias-Nerv spricht meist sehr gut auf Wärme an. Bei akuten Schmerzen hilft deshalb eine Wärmflasche. Gute Ergebnisse werden auch mit heißen Kartoffeln erzielt, die in ein Handtuch gewickelt und auf den unteren Rücken gelegt werden.

Warme Vollbäder sind nicht nur eine Wohltat für die Haut. Die Wärme entspannt den Rücken und entlastet die Wirbelsäule, wodurch sich die Schmerzen oft schnell bessern.

Für unterwegs und im Büro gibt es Wärmepflaster zum Aufkleben.

3. Den Rücken entlasten

Gegen akute Schmerzen helfen auch Entlastungshandlungen. Betroffene sollten eine Decke oder eine Trainingsmatte ausbreiten, sich darauf mit dem Rücken flach auf den Boden legen und die Beine auf einem Stuhl lagern. So wird der eingeklemmte Nerv oft befreit oder zumindest entlastet, was zu einem raschen Nachlassen der Schmerzen führt.

Ischias: Wenn der Nerv auf die Nerven geht

Auch das Aufhängen an den Füßen sorgt oft für eine sofortige Besserung. Entsprechende Geräte gibt es im Fachhandel. Wer diese Therapiemethode erst einmal ausprobieren möchte, kann das bei vielen Physiotherapeuten und in gut ausgestatteten Fitnessstudios tun.

Wer regelmäßig unter schmerzendem Ischias leidet, sollte außerdem eine Physiotherapie beginnen, um die Rückenmuskulatur zu stärken. Je stärker die Muskeln, desto geringer das Risiko, dass ein Wirbel verrutscht und den empfindlichen Ischiasnerv schädigt.

In der Rückenschule lernen Betroffene darüber hinaus, auf die richtige Körperhaltung zu achten. Ihnen werden außerdem Lockerungs- und Entspannungsübungen vermittelt, die sich auch im Büro praktizieren lassen und die dazu beitragen, Fehlhaltungen und dadurch bedingte Rückenschmerzen zu verhindern.

4. Dehnungsübungen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich auf die Vorderseite eines Stuhls zu setzen und beide Füße fest auf den Boden zu stellen.

Strecken Sie ein Bein vor Ihrem Körper aus und beugen Sie Ihren Fuß, so dass das Gewicht Ihres Beins auf Ihrer Ferse ruht.

Halten Sie Ihren Rücken gerade und schaukeln Sie sanft auf Ihren Sitzknochen nach vorne, so dass Ihr Oberkörper leicht zum Bein hin geneigt ist. Sie sollten eine Dehnung entlang der Rückseite Ihres Beins spüren.

Wenn Sie sich strecken, tun Sie das mit dem Ziel, sich besser zu fühlen, nicht, um flexibler zu werden oder Ihren Bewegungsradius zu vergrößern. Mit der Zeit werden Sie vielleicht flexibler und vergrößern Ihren Bewegungsradius, aber diese Fortschritte geschehen bei regelmäßigem Üben eher langsam.

Ischias: Wenn der Nerv auf die Nerven geht

Wenn Sie bei einer Dehnung zu stark drücken (oder ziehen), kann dies zu winzigen Rissen in Ihren Muskeln, Sehnen und Bändern führen, was völlig kontraproduktiv ist und dazu führen kann, dass Sie weniger flexibel werden statt mehr.

5. Übungen mit einer Schaumstoffrolle

Die Verwendung einer Schaumstoffrolle für Ischias ist äußerst effektiv und auf jeden Fall einen Versuch wert.

Das Schaumstoffrollen ist eine Form der "selbst-myofaszialen Befreiung" und wird häufig zur Linderung von Schmerzen verwendet, die mit einer Enge in der Faszie verbunden sind. Das Schaumstoffrollen löst Verspannungen, Anspannung und Knoten in den Muskeln.

Wenn Sie anfangen, eine Schaumstoffrolle für Ischias zu verwenden, ist es wichtig, langsam zu beginnen und eine Schaumstoffrolle zu verwenden, die nicht zu dicht, also zu hart, ist. Wenn Sie zu viel Druck ausüben, kann dies sogar noch mehr Schmerzen verursachen, als Sie zuvor erlebt haben.

Ischias: Wenn der Nerv auf die Nerven geht

6. Medikamente

Medikamente wie Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac oder auch Fentanyl und anderes können ein entscheidender Teil der Behandlung von gelegentlichen und wiederkehrenden Schmerzen sein und Ihnen helfen, schmerzfrei und aktiv zu bleiben. Aber Sie müssen die richtigen Medikamente verwenden und sie auf die richtige Art und Weise einsetzen.

Wenn die zugrundeliegende Ursache der Ischiasbeschwerden Muskelkrämpfe sind, können Muskelrelaxantien helfen. Muskelrelaxantien können jedoch bei älteren Patienten Verwirrung verursachen. Zu den Nebenwirkungen gehören Müdigkeit, Schwindel, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit und verminderter Blutdruck.

7. Naturheilkunde

Ischias-Schmerzen sollen sich auch sehr wirkungsvoll mit den Mitteln der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) behandeln lassen.

Besonders bewährt hat sich dabei die Akupunktur und Kräutertherapie. Sie bringt den gestörten Qi-Fluss im Körper wieder zurück in ein gesundes Gleichgewicht. Blockaden und Störungen werden dadurch beseitigt. Die körpereigenen Selbstheilungskräfte können wieder wirken. Die Schmerzen im Rückenbereich und im Ischias verringern sich oder verschwinden.

8. Hausmittel

Den Ischias-Schmerz mit Hausmitteln zu bekämpfen kann eine Option sein, sofern die Schmerzen nicht allzu heftig sind. Aloe Vera, die ätherischen Öle von Lavendel, Thymian oder Rosmarin, Ingwer, Knoblauch, Meerrettich und Kurkuma, Zwiebeln und Wärme fördern die Durchblutung, sind entzündungshemmend, schmerzstillend und können Verspannungen lösen. Doch ob dies bei den häufig intensiven Schmerzen wirklich helfen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden.

9. Operation?

In einigen Fällen kann ein operativer Eingriff notwendig werden, beispielsweise bei einem starken und bei wiederholtem Bandscheibenvorfall oder zunehmende motorische Störungen, wie zum Beispiel begleitende Funktionsbeeinträchtigungen der Blase und des Darms. Letztere sind immer ein Alarmsignal, dem ein Besuch beim Neurochirurgen folgen sollte.

Weiterhin wird bei bei Reflex- oder Empfindungsstörungen eine operative Behandlung in Betracht gezogen. Der Erfolg eines solchen Eingriffs ist dabei unter anderem vom Grad der Bandscheiben- und Nervenschädigung sowie vom Alter des Patienten abhängig.

10. Prognose

Wichtig ist, mit regelmäßigen Übungen und Sport Rücken- und Bauchmuskulatur gezielt zu kräftigen. Ein starkes Muskelkorsett entlastet und stabilisiert nämlich die Wirbelsäule. Das kann Rückenbeschwerden lindern beziehungsweise verhindern.

Bei richtiger Pflege und Behandlung dauern die Symptome der akuten Ischiasbeschwerden in der Regel nicht länger als vier bis acht Wochen an. Tatsächlich glauben die meisten Gesundheitsexperten, dass bei richtiger Behandlung die Ischiasbeschwerden von selbst verschwinden werden.

Doch auch hier gehen Theorie und Praxis oftmals getrennte Wege.

Darüber hinaus beeinflussen auch soziale und psychische Faktoren den Verlauf und die Prognose von Rückenbeschwerden einschließlich Ischias.

So können zum Beispiel Einsamkeit, depressive Verstimmung und Stress die Beschwerden hervorrufen oder verschlimmern. Außerdem können sie dazu beitragen, dass die Rückenschmerzen chronisch werden, und die Wirksamkeit von Schmerzmitteln herabsetzen.

Ischias: Wenn der Nerv auf die Nerven geht

Sorgen Sie für ein intaktes Sozialleben, gute Bedingungen am Arbeitsplatz, ein vertrauensvolles Verhältnis zum behandelnden Arzt und eine positive Grundstimmung — all dies kann die Prognose von Ischias-Schmerzen erheblich verbessern.

Fazit

Bei akuten Schmerzen ist es wichtig, nicht einfach die Zähne zusammenzubeißen, sondern diese zeitnah zu bekämpfen, damit sich kein Schmerzgedächtnis entwickeln kann. Dafür gibt es neben Schmerzmitteln aus der Apotheke auch einige bewährte Naturheilmittel.

Keinesfalls sollten Ischiasbeschwerden auf Dauer nur im Selbsthilfeverfahren therapiert werden, da dieses Leiden auch sehr schwerwiegende Ursachen haben kann. Bei regelmäßigen Schmerzen muss deshalb unbedingt ein Arzt konsultiert werden

Es gibt viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Ischias, und doch gibt es kein "bestes" Medikament bzw. keine "beste" Vorgehensweise, also etwas, das bei Jedem wirkt. Was für den einen funktioniert, wirkt vielleicht nicht beim anderen.

Jeder Mensch reagiert anders auf Medikamente, auf Bewegung, und manchmal dauert es eine Weile, das richtige Medikament, die richtige Dosierung, die richtigen Bewegungen für Sie zu finden.