Auf einmal war alles Ganz anders

 Ein Sturz und seine Folgen


Ich möchte Ihnen drei kurze Geschichten aus meinem Leben erzählen. Mehr nicht. Nur drei kurze Geschichten.

Die erste handelt vom tiefsten Einschnitt in mein Leben.

1.

1977 brach eine Welt für mich zusammen!

Ich war zwölf Jahre alt und durfte nicht mehr reiten. Ein knappes Jahr zuvor war „mein“ Pferd mitten im Trab abrupt stehen geblieben und ich in hohem Boden auf den Boden gekracht. An den Aufprall kann ich mich nicht mehr erinnern, aber daran, dass ich lange Zeit nicht aufstehen konnte, weil ich nicht wusste, wie.

Zunächst spürte ich nicht viel. Irgendwann schaffte ich es, aufzustehen, irgendwo knackte es in meiner rechten Pobacke und darunter, irgendwie war ich mühevoll nach Hause gehumpelt.

Die Schmerzen an meinem rechten Oberschenkel, zunächst gut zu ertragen, wurden schlimmer. Im Laufe der Zeit stellten Ärzte verschiedene Diagnosen, die von Wachstumsstörungen über Blinddarmreizungen bis hin zur Unterstellung reichten, ich hätte keine Lust, zur Schule zu gehen. Ich kann mich noch erinnern, dass mich das getroffen hat. Ich war eine gute Schülerin, wieso sollte ich die Schule meiden wollen?

Niemand kaum auf die Idee, mich zum Röntgen zu schicken.

Dann kam der Tag mit dem Zusammenbruch meiner Mädchen-und-Pferde-Welt. Die Schmerzen auf der rechten Seite waren inzwischen schwer zu ertragen. Ein Notarzt schickte mich zum Röntgen und erkannte nun endlich mein Problem. Offenbar war beim Sturz vom Pferd meine Hüfte aus der Gelenkpfanne gesprungen und hatte sich seitdem nur noch selten am rechten Platz befunden. Der Hüftkopf war schon ziemlich abgeflacht, die Hüftpfanne ebenfalls. Ich sollte so schnell wie möglich operiert werden. Reiten dürfte ich niemals wieder.

Ich heulte mir die Augen aus dem Kopf. Schmerzen haben, operiert werden ist okay. Aber nie wieder reiten?

Zwischen 1977 und 1981 bin ich vier Mal an der Hüfte operiert worden, damals noch mit einer Liegezeit im Krankenhaus von jeweils sechs bis acht Wochen.

Und ich sollte auf keinen Fall an Gewicht zulegen, weil sich das schlecht auf meine Hüfte auswirken würde. Doch wie soll das gehen, wenn einen die Pubertät überrollt? Wenn Sport untersagt ist? Wenn gewisse körperliche Aktivitäten auch gar nicht mehr gemacht werden können, weil das Hüftgelenk nicht mehr den normalen Bewegungsumfang hat?

2.

Die zweite Geschichte handelt von Erkenntnissen und neuen Einsichten.

Inzwischen war ich Mitte 30 und mit einem verständnis- und liebevollen Mann verheiratet. Die vergangenen seit meinem 16. Lebensjahr trieben mich immer wieder mal zu Orthopäden, in der Hauptsache, um mir Tabletten gegen die zunehmenden Arthrose-Schmerzen verschreiben zu lassen, die zwar Übelkeit hervorriefen, jedoch die Schmerzen in der Hüfte beseitigen sollten. Was sie nicht taten, doch sie hüllten meinen Kopf in dicke Wolken, so dass ich die Schmerzen in weiter Ferne spürte. Ich war extrem wetterfühlig.

Auch von einem künstlichen Hüftgelenk war die Rede, doch dafür sei ich noch viel zu jung, hieß es, die würden ja nicht so lange halten und können nur wenige Male ausgetauscht werden, wurde mir erklärt. Ich solle durchhalten, so lange es eben geht. Abgesehen davon müsste ich sowieso erstmal abnehmen, vorher würde mich niemand operieren. Niemand gab mir aus freien Stücken eine Überweisung in ein Krankenhaus.

Naja, sie hatten meine Schmerzen ja nicht!

Schließlich hatte ich die Nase gestrichen voll! Ich konnte kaum noch Treppen steigen. Wollte ich tablettenabhängig bleiben? Wollte ich mir weiterhin einreden lassen, ich solle durchhalten? Wie lange eigentlich? Wann ist genug wirklich genug? Schon konnte ich glasklar erkennen, wie sich mein Horizont verengte, weil ich mich nur noch auf Schmerzvermeidung konzentrierte.

Ich entschied endlich, mich nicht mehr auf Andere und deren Meinung zu verlassen, sondern mein Leben jetzt selbst in die Hand zu nehmen. Das war 2003. Ich suchte im Internet nach einer Spezialklinik und fand sie mehrere hundert Kilometer entfernt.

Bei meinem ersten Termin dort Wochen später fragte mich der Arzt nach der Durchsicht meiner Befunde, warum ich jetzt erst käme, ich hätte doch schon gar keine Lebensqualität mehr. Jetzt erst! Ich hätte heulen können. Endlich jemand, der Befunde richtig lesen kann! Mein Held, wo warst du all die Jahre?

Er sagte mir auch, dass das Gerede vom Abnehmen keinen Sinn hätte, denn bei dem Befund wäre ich vermutlich froh, wenn ich mich überhaupt nicht bewegen müsste. Jetzt sei es erstmal wichtig, dass ich meine Lebensqualität wiedererlange.

3.

Die dritte Geschichte handelt davon, dass es keine gerade Straße, sondern nur Wege gibt.

Im Herbst 2004 erhielt ich mein künstliches Hüftgelenk. Das war vor 17 Jahren. Ich erinnere mich noch genau, dass ich nach der OP, noch halb unter Narkose, feststellte, dass ich schmerzfrei war. Und an den Moment, als ich mich zum ersten Mal hinsetzte: Es tat nicht weh! Ich konnte auf beiden Pobacken sitzen! Ich war überglücklich.

Ein neues Gelenk zieht zunächst Physiotherapie nach sich. Anfangs war es anstrengend, doch schon bald brachten die sich ständig wiederholenden Übungen keine Fortschritte mehr.

In den nächsten Jahren probierte ich auf eigene Faust, durch Übungen beweglicher zu werden. Es gelang mir nicht, denn ich wusste nicht, welche mir helfen würden und ich sah keine Erfolge. Also ließ ich es sein.

Einmal meldete ich mich in einem Fitnessstudio an. Eine gute Erfahrung, die ich jedoch niemals wiederholen wollte, denn ich fühlte mich zwischen den ranken, schlanken, gesunden, muskulösen Menschen fehl am Platz. Ich schwitzte, keuchte und stöhnte unter der Last meiner Unsportlichkeit, nahm etwas ab, nicht sehr viel, aber immerhin.

Doch einer besseren Beweglichkeit meiner Hüfte diente auch das nicht. Also hörte ich wieder auf.

Erst 2019 erfuhr ich vom kanadischen Kinesiologen und Fitnesstrainer Rick Kaselj. Aus eigener Erfahrung mit dauerhaften Schmerzen heraus entwickelte er seine heute weltbekannten Videoprogramme. Mir wurde sein Programm „Unlock Your Hip Flexors“ (Lösen Sie Ihre Hüftbeuger“) von einem Bekannten empfohlen.

Ich besorgte mir einige seiner Videos, folgte den Übungen, konnte einiges davon zwar nicht, bemerkte aber hinterher, dass sie mir tatsächlich halfen, denn ich fühlte mich lockerer, leichter, beweglicher. Auch meiner Hüfte schienen sie zu gefallen. Also begann ich, diese Übungen regelmäßig zu machen und bemerkte bald, dass ich immer besser wurde.

Meine rechte Hüfte ist jetzt stabiler, so dass der Rücken nicht mehr so schnell schmerzt, weil er die schwachen Hüftmuskeln ersetzen muss. Dadurch kann ich länger laufen. Mehr Laufen = mehr Energieumsatz = weniger Bauch = wohlfühlen = mehr Übungen machen …

Die Hüften helfen, die Kraft und die Gesundheit des gesamten Körpers zu unterstützen. Nach langen Jahren endlich habe ich erfahren, dass diese Aussage wahr ist.

Ich bin inzwischen über die Mitte 50 hinaus, ich will meine Zeit nicht mehr verschwenden. Ich probiere Neues aus und praktiziere nur die Übungen, die mir das Gefühl vermitteln, sie tun mir gut und dienen nicht nur dazu, so lange wie möglich irgendwo Patient zu sein. Die ausführlich erklärten Programme des Kanadiers, der weiß, wovon er spricht,  gehören definitiv dazu.

Auch wenn Sie keine Probleme mit Ihrer Hüfte haben, kann es nicht schaden, sie einmal zu testen. Wie Sie das machen, erkläre ich Ihnen hier.

Und noch etwas:

Seien Sie offen für Neues! Halten Sie nicht an Therapien fest, die Ihnen nicht helfen, nur weil andere meinen, dass es das Richtige für Sie sei. Sehen Sie sich um, informieren Sie sich. Und hören Sie vor allem rechtzeitig auf sich selbst!